Gesetzesänderung zum Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine /Warengutscheine 44,00 € ab 01.01.2020 an Arbeitnehmer, was sie als Arbeitgeber und Mitarbeiter wissen sollten

 In Newsblog

Zum 01.01.2020 treten wesentliche Gesetzesänderungen im Umgang mit dem steuerfreien Sachbezug (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG), also dem Tankgutschein bzw. Warengutschein und der Unternehmenskarte in Kraft. Wir erläutern die Gesetzesänderung zum steuerfreien Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine 44,00 € ab 01.01.2020 für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Sachbezüge sind alle Einnahmen, die nicht in Geld bestehen. Bisher konnte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer/Mitarbeiter monatlich einen Sachbezug in Höhe von 44,00 € steuerfrei gewähren. Dies konnte in Form eines Gutscheins geschehen, der bei Tankstellen (z.B. Benzingutschein, Dieselgutschein) oder im Einzelhandel eingelöst werden kann. Auch eine nachträgliche Kostenerstattung vom Arbeitgeber mit Bonbeleg war bis 01.01.2020 kein Problem bei der Umsetzung. Eine Barlohnumwandlung des Monatslohns von max. 44,00 € war auch steuerfrei möglich. 

Als steuerfreier und sozialversicherungsfreier Sachbezug/Sachbezüge galt danach unter anderem bis 31.12.2019

  • Eine Zahlung des Arbeitgebers, die mit der Auflage verbunden ist, den empfangenen Geldbetrag nur in bestimmter Weise zu verwenden, beispielsweise Tankgutschein / Benzingutschein
  • ein durch den Arbeitgeber eingeräumtes Recht, bei einer Tankstelle auf Rechnung zu tanken,
  • ein Gutschein über einen in Euro lautenden Höchstbetrag für Warenbezug
  • Gutscheingewährung mittels sogenannter Guthabenkarten beziehungsweise Geldkarten

In all diesen Fällen ist die 44,00 € Grenze bis 31.12.2019 anwendbar.

Verschärfung und Neuregelung der Definition Begriff Geldleistung / Sachbezug /Sachbezüge ab 01.01.2020 durch die Gesetzesänderung

Die Gutscheinregelung ist ab 1.1.2020 geändert. Zu den Einnahmen in Geld gehören ab 01.01.2020 auch zweckgebundene Geldleistungen und nachträgliche Kostenerstattungen vom Arbeitgeber. So können zweckgebundene Geldleistungen und nachträgliche Kostenerstattungen vom Arbeitgeber grundsätzlich keine Sachbezüge sein. Geldersatzmittel und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten sind ebenfalls Geldleistungen und somit steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Eine Einschränkung macht der Gesetzgeber allerdings bei Gutscheinen und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen im Inland berechtigen. Hier bleibt die 44-Euro-Grenze anwendbar, wenn die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 Nr. 10 ZAG erfüllt werden.


§ 2 Ausnahmen; Verordnungsermächtigung ZAG

(1)           Als Zahlungsdienste gelten nicht:

Nr. 10. Dienste, die auf Zahlungsinstrumenten beruhen, die

a) für den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen in den Geschäftsräumen des Emittenten oder innerhalb eines begrenzten Netzes von Dienstleistern im Rahmen einer Geschäftsvereinbarung mit einem professionellen Emittenten eingesetzt werden können,

b) für den Erwerb eines sehr begrenzten Waren- oder Dienstleistungsspektrums eingesetzt werden können, oder

c) beschränkt sind auf den Einsatz im Inland und auf Ersuchen eines Unternehmens oder einer öffentlichen Stelle für bestimmte soziale oder steuerliche Zwecke nach Maßgabe öffentlich-rechtlicher Bestimmungen für den Erwerb der darin bestimmten Waren oder Dienstleistungen von Anbietern, die eine gewerbliche Vereinbarung mit dem Emittenten geschlossen haben, bereitgestellt werden.


Was bedeutet die Gesetzesänderung  zum Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine 44,00 € ab 01.01.2020 für die Praxis für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Mitarbeiter anhand von Beispielen?

Folgende bisher mögliche Varianten des steuerfreien und sozialversicherungsfreien Sachbezuges führen ab 01.01.2020 zur Sozialversicherungs- und Steuerpflicht:

  • Eine Kostenerstattung durch den Arbeitgeber, nach Vorlage des Kassenbelegs vom Arbeitnehmer/Mitarbeiter.
  • Verwendungsbezogene Geldleistung durch den Arbeitgeber, damit der Arbeitnehmer davon Ware erwerben kann, wie zum Bespiel die Auszahlung des Sachbezuges über die Gehaltsabrechnung, mit der Auflage einen entsprechenden Warenbezug mit Kassenbeleg nachzuweisen und einzureichen.
  • Offene Zahlungssysteme, z.B. auf Basis von Visa- oder Mastercard (aufladbare Kreditkarten oder andere Karten mit der theoretischen Möglichkeit auf Bargeldauszahlung).
  • Ab 2020 werden durch die Gesetzesänderung alle Gehaltsumwandlungen aus geschuldetem Lohn zu Gunsten des Sachbezugs steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Die Neu-Regelung hat das Ziel, bestimmte zweckgebundene Gutscheine und Geldkarten, die nicht als Zahlungsdienste gelten, als Sachbezug zu belassen, damit die 44-Euro-Grenze anwendbar bleibt.

Was ist ab 01.01.2020 noch wegen der Gesetzesänderung  zum Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine/ Warengutscheine  44,00 € ab 01.01.2020 noch steuerfrei und sozialversicherungsfrei möglich für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Mitarbeiter?

  • Geschlossene Systeme, wie etwa ein Douglas Gutschein oder eine Aral Tankkarte, die nur beim Herausgeber selbst eingelöst werden können, bleiben als steuerfreier und sozialversicherungsfreier Sachbezug möglich. Diese dürfen keine Möglichkeit bieten, Bargeld auszuzahlen.

Was ist derzeit wegen der Gesetzesänderung zum Warengutschein/ Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine 44,00 € ab 01.01.2020 nicht geklärt?

Unklar sind derzeit folgende Anwendungen:

  • Eine Zahlung des Arbeitgebers, die mit der Auflage verbunden ist, den empfangenen Geldbetrag nur in bestimmter Weise zu verwenden, beispielsweise ein Tankgutschein.
  • Ein durch den Arbeitgeber eingeräumtes Recht, bei einer Tankstelle auf Rechnung zu tanken.
  • Ein Gutschein über einen in Euro lautenden Höchstbetrag für Warenbezug.

Die Finanzverwaltung hat zu Zweifelsfragen Stellung nehmen (Siehe unten stehendes BMF-Schreiben).

Unsere Empfehlung bezüglich der Gesetzesänderung zu Sachbezüge/ Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine /Warengutscheine  44,00 € ab 01.01.2020 für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Mitarbeiter

Bitte beachten Sie als Arbeitgeber die gesetzlichen Änderungen zum 01.01.2020. Ändern Sie die Gewährung des Sachbezuges/ Gutscheines / Tankgutscheine /Benzingutscheine/ Warengutscheine an die Arbeitnehmer ab 01.01.2020, für die Fälle, die steuer- und sozialversicherungspflichtig sind oder die derzeit unklar sind.

Nachweis der Aushändigung des Gutscheines mit einem Muster/Beispiel

Als Arbeitgeber sollten sich die Aushändigung des Gutscheines mit Datum gegenzeichnen lassen, damit eine Kontrolle möglich ist, dass der Mitarbeiter nur einen Gutschein mit maximal 44 € im Monat erhalten hat und nicht mehr. Das Finanzamt und die Sozialversicherung möchten/benötigen den Ausgabetag wissen.

Ein Download-Dokument finden sie hier: Muster/Beispiel/Formular Tankgutschein / Benzingutschein/ Warengutschein / Gutschein/ Sachbezug/ Sachbezüge ab 2020

Übergangsregelung nach dem neuen BMF Schreiben vom 13.4.2021

In dem neuen BMF Schreiben vom 13.4.2021 wird bezüglich der Neuregelung zum Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine eine Übergangsregelung gewährt. Danach werden Gutscheine und Geldkarten, die nicht die neueren Kriterien des §2(1) Nr. 10 ZAG erfüllen, noch bis 31.12.2021 als Sachbezug anerkannt (Billigkeitsregelung).

Anhebung des Sachbezugs ab 1.1.2022 auf 50 € (bis 31.12.2021 44 €)

Ab 1.1.2022 werden der steuerfreie Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine von maximal 44 € (bis 31.12.2021) auf maximal 50 € (gültig ab 1.1.2022) monatlich erhöht.

weitere Hinweise, BMF Schreiben und Links

Das neue BMF Schreiben zum steuerfreien Sachbezug/Gutscheine/Tankgutscheine erhalten Sie hier.

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Nachtrag: Anfrage eines Lesers über das Internet:
Wenn derzeit noch viele Anwendungen unklar sind. Wie soll man vorgehen? Würde es möglich sein, z.B. bei einer Tankstelle Gutscheine in Höhe von 44,00 € zu kaufen und diese dann jeweils monatlich an die Arbeitnehmer abzugeben?

Antwort von Steuerberaterin Sabine Banse-Funke:
Ihr Vorschlag ist genau richtig, so empfehlen wir es auch unseren Mandanten. Sie kaufen bei einer Tankstelle den Gutschein für 44 € (Gutschein nur zum Tanken, nicht zum Einkaufen bei der Tankstelle) und geben diesen an den Arbeitnehmer ab. Wichtig ist: Sie müssen sich die Aushändigung des Gutscheines mit Datum gegenzeichnen lassen, da das Finanzamt und die Sozialversicherung den Ausgabetag wissen möchten/benötigen. Dadurch ist die Kontrolle möglich, dass der Mitarbeiter nur einen Gutschein mit maximal 44 € im Monat erhalten hat und nicht mehr.

Ihre Sabine Banse-Funke
Diplom-Finanzwirtin (FH) Steuerberaterin
Fachberaterin im Gesundheitswesen H:G/metax

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